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Gildereise 2018

Gildereise 15.-23. Oktober 2018, Marken u. Umbrien

Siehe weiter die von Franz Reischer zusammengestellte vollständige Bildergalerie
https://photos.app.goo.gl/ZWQDbD7SniubkbR87
Text: Helmut Racher

15.10.: Von Linz bis Arnoldstein werden die Teilnehmer der Gildereise „eingesammelt“. Für sie ist im Gasthof Wallner, den wir von den Gildetagen 2017 noch kennen, die erste Nächtigung.

16.10.: Frühmorgens kommen auch die Teilnehmer aus Kärnten dazu und unsere Reisegruppe ist nun mit 35 Personen fast komplett. Diesmal gibt es zwei Reiseleiter: Dr. Wilhelm Deuer übernimmt die Emilia Romagna und die Marken, während unser Obmann Mag. Willi Remes für Umbrien zuständig ist. Im Bus bringt uns Dr. Wilhelm Deuer die interessante, aber komplizierte Geschichte der von uns besuchten Regionen nahe. Dann der erste Höhepunkt: die ehemalige Benediktinerabtei Pomposa. Sie gilt als ein Highlight der Kunstgeschichte Italiens, ist doch die romanische Klosterkirche mit ihrer eleganten Fassade seit 1650 (Ende des Klosters) bis heute unverändert geblieben. Auch Kapitelsaal, Arbeitsraum der Mönche und Dormitorium (mit Lapidarium) bieten dem Interessierten viele Fresken und andere Kostbarkeiten.

Nächster Halt ist Rimini. Hier holen wir zunächst Altbischof Maximilian Aichern vom Bahnhof ab (er war bei der Heiligsprechungsfeier in Rom gewesen). Dann, bei einer Stadtrundfahrt, die große Überraschung: Die Stadt ist nicht bloß ein lauter Badeort, sie hat in ihrer Altstadt auch für den Kunstfreund eine Menge zu bieten. Etwa die 2000 Jahre alte Ponte di Tiberio, über die noch heute der Verkehr fließt, oder den antiken Augustusbogen. Dr. Deuer führt uns zum Tempio Malatestiano, einer gotischen Kirche, die der Condottiere Sigismondo Malatesta 1450 zu seinem Ruhm als Mausoleum umgestalten ließ. Dazu wurde das Bauwerk in reinster Renaissance ummantelt und es erhielt eine prächtige (unvollendete) Fassade. Das Besondere an dieser heutigen Kathedrale: alle Kunstwerke im Inneren der Kirche behandeln profane und nicht religiöse Themen. Nun geht es ins Hotel nach Pesaro.

17.10.: Ancona: Beim Stadtrundgang sehen wir viel Interessantes: eine Jugendstil-Markthalle, den Fontana del Calamo (16. Jh.), das 5-eckige Lazzaretto und den Trajansbogen im Hafen, die Chiesa San Domenico mit ihrer eindrucksvollen Treppenanlage, und die Chiesa di Santa Maria della Piazza mit ihrer originellen romanischen Fassade. Über viele Stufen keuchen wir auch hinauf zum romanischen und löwenbewehrten Dom San Siriaco. Von hier bietet sich ein prächtiger Blick über den Hafen mit den großen Fährschiffen. Dann geht es mit dem Bus südwärts in das hoch über der Adria gelegene hübsche Städtchen Sirolo zur verdienten Mittagspause.

Der berühmte Wallfahrtsort Maria Loreto, einer der meistbesuchten Pilgerorte Europas, ist unser nächstes Ziel. Im Inneren der Basilika zieht uns natürlich das Casa Santa in seinen Bann. Dabei handelt es sich nach der Legende um das Wohnhaus Mariens in Nazareth, das Engel hierher gebracht haben. Das Äußere des schlichten Raumes ist mit prächtigen Marmorkunstwerken verkleidet. In einer der vielen Kapellen hält Msgr. Mag. Josef Bierbauer für uns eine Marienandacht. Zu guter Letzt besichtigen wir auch noch den Schatzsaal (Sala del Pomerancio). Beim Abstieg zum weit unten gelegenen Bus-Parkplatz verlieren wir unseren Altbischof, doch unser Busfahrer konnte ihn gottlob wiederfinden.

18.10.: Pesaro will sich als Stadt der Musik präsentieren, ist es doch der Geburtsort des be-rühmten Komponisten Gioacchino Rossini. In einem kurzen Rundgang sehen wir in einem strandnahen Park die 1998 geschaffene Weltkugel „Sfera Grande di Pomodoro“. Jugendstil total bietet die Villa Ruggieri. Der Dom geht auf spätrömische bzw. frühchristliche Ursprünge zurück. Aus dieser Zeit stammen prächtige Mosaike, die man im Inneren der Kirche durch Glasscheiben bewundern kann.

Urbino nennt sich die Stadt des Geistes, der Kunst und der Poesie. Sie verdankt es Federico da Montefeltro, Herr der Stadt im 15. Jahrhundert. Der Palazzo Ducale ist einer der bedeutendsten Residenzen der Renaissance in Italien. Wir besuchen natürlich die im Herzogspalast untergebrachte Nationalgalerie mit ihren zahlreichen Kunstwerken, darunter die weltberühmte „ideale Stadt“ und das Mädchenbild „La Muta“ von Raffael, der ja in Urbino geboren wurde. Das Stadt-bild wird heute sehr stark geprägt von vielen Studenten. Vielleicht hat unsere Stadtführerin des-halb ihre wortreichen Erklärungen mit so vielen philosophischen Erkenntnissen garniert.

Die Festung Gradara zählt zu den besterhaltenen Burganlagen Italiens. Wir haben genug Zeit, um gemütlich durch die mittelalterlichen Gässchen zu flanieren.

19.10.: Wir verlassen Pesaro und fahren durch das Val di Chienti. Hier warten zwei uralte roma-nische Kirchen auf uns, die vielleicht sogar auf die Karolinger-Zeit zurückgehen. Die Basilica di S. Maria a Pie‘ di Chienti ist eine dreischiffige Kirche. Ungewöhnlich an ihr ist die Empore über dem Chor, sie hat also zwei Etagen. Die Chiesa di San Claudio al Chienti wird von zwei Türmen flankiert und besitzt zwei Portale übereinander. Der zufällig anwesende Ortspfarrer freut sich über unseren Besuch und erzählt über seine Kirche.

Die Universitätsstadt Macerata – typisch auf einem Berg gelegen – erreichen wir durch einen Aufzug. In der hübschen Altstadt halten wir unsere Mittagsrast. Im Valle di Umbra angekommen, besuchen wir Montefalco, den Balkon Umbriens, weil sich hier eine faszinierende Aus-sicht über die Tallandschaft bietet. Das mittelalterliche Städtchen hat aber auch mit tollen Fresken in der Augustiner-Kirche aufzuwarten. Im Museo di San Francesco gibt es den Freskenzyklus von Benozzo Gozzoli und andere Schätze zu sehen. Auch der Rotwein aus dem Ort hat einen großen Namen. Am Abend erreichen wir Assisi. Das Hotel La Rocca mit seinen Dependancen wird unsere Bleibe für die restlichen Tage sein.

20.10.: Assisi ist der heutige Tag gewidmet. Schon früh besuchen wir das Heiligtum San Francesco. Bruder Andreas wartet schon auf uns. Er zeigt uns zunächst die Unterkirche, dann die Oberkirche, die mit ihrem Freskenzyklus von Giotto zu den schönsten Räumen Italiens zählt. Andächtig besuchen wir auch die Grablege des hl. Franziskus in der Krypta. Nach dem Mittagessen in La Rocca ist ein Stadtrundgang angesagt. Ganz nahe liegt der Dom San Rufino mit seiner prachtvollen Fassade (sie zählt zu den schönsten Umbriens). Im Innern das Taufbecken, in dem der hl. Franziskus, die hl. Klara und auch Kaiser Friedrich II getauft wurden. Unterhalb liegt die Chiesa Nuova, die anstelle des (vermuteten) Elternhauses des Heiligen erbaut worden ist. In der Kirche Santa Chiara befindet sich die Grablege der hl. Klara. Zudem wird hier das Holzkreuz aus San Damiano aufbewahrt, von dem herab Christus Franziskus aufgefordert haben soll: Bau meine Kirche wieder auf. San Damiano liegt eine halbe Gehstunde unterhalb von Assisi. Das bescheidene Kloster beherbergte den ersten Konvent der Klarissinnen. Die hl. Klara ist hier 1253 verstorben. Der hl. Franziskus schuf hier seinen berühmten Sonnengesang.

21.10.: Sonntagsmesse in der Capella di Pace im Konvent San Francesco: Prälat Leopold Städtler als Hauptzelebrant mit Altbischof Maximilian Aichern und Msgr. Josef Bierbauer feiern mit uns Eucharistie. Nachmittags fahren wir mit dem Bus nach Gubbio, wo nach der Legende Franziskus den gefährlichen Wolf sanft gemacht hat. Wir besuchen zunächst die Augustiner-Kirche, die wegen ihrer prächtigen Fresken aus dem 14. Jh. sehenswert ist. Sie zeigen Ge-schichten aus dem Leben des hl. Augustinus. Danach geht’s mit der Freiluft-Seilbahn (man steht in einem Korb) auf den Monte Eletto zum Heiligtum des S. Ubaldo. Ein jäh einsetzender heftiger Gewitterregen beendet den Aufenthalt in Gubbio.

22.10.: Weithin sichtbar ist die Basilika S. M. degli Angeli mit ihrer gewaltigen Kuppel. Im Inneren der Kirche die Portiunkula-Kapelle, in der Franziskus seine Berufung zur Christus-Nachfolge erfuhr. Er ist hier 1226 gestorben. Auch die Cappella delle Rose sehen wir. Die Provinzhaupt-stadt Perugia ist das nächste Ziel. Die Stadt thront auf einem Berg. Die neue Standseilbahn „Mini-Metro“ bringt uns hinauf in das historische Zentrum. Für den Besuch der Nationalgalerie Umbriens im Palazzo dei Priori fehlt leider die Zeit. Wir begnügen uns mit dem Etrusker-Tor, dem Dom und dem Fontana Maggiore. Die Straßen sind voller Leben, schließlich wird hier gerade ein Schokolade-Fest mit vielen verlockenden Angeboten gefeiert. Zuletzt fahren wir zum Lago Trasimeno, wo wir auf der gepflegten Uferpromenade (oder bei einem Cappuccino) die Reise ausklingen lassen können.

Beim Abendessen im Hotel La Rocca dankt Alfred Graf – auch als Funktionär des VÖPH – der Gilde für ihr Wirken und betont, dass Gabriel als einziger Verein solche Reisen anbietet. Er dankt auch den drei geistlichen Herren, dass sie die Reise geistlich begleitet haben, und Ehrenobmann Dr. Karl Ohnmacht (und seinen zwei Assistentinnen) für die hervorragende geistige Betreuung der Reisegesellschaft. Lieselotte brachte ihren Dank an die Reiseleiter in Form eines Gedichtes dar. GB Helmut Racher verglich die Reise mit der in Oberösterreich üblichen „Schmankerl-Roas“, weil wir so viele „Delikatessen“ zu sehen bekamen. Gildeobmann-Stellvertreter Heinz Peroutka übergab sodann im Namen der Reisegruppe den beiden „Willis“ regionalen Wein (darunter ein Rosso di Montefalco) als symbolisches Dankeschön für diese wunderbare Reise.

23.10.: Problemlose Heimreise. Ein Danke gebührt dem Fahrer Helmut vom Reiseunternehmen Neubauer, der den Bus souverän durch enge Gassen wie auch in brenzligen Situationen (verursacht durch disziplinlose Verkehrsteilnehmer) gesteuert hat. Und ein Danke allen Stiftern von geistiger Stärkung.